Praxis

Loslassen – leichter gesagt als getan

Von René Nossek aktualisiert 4 Min. Lesezeit

Eine Frau steht am offenen Fenster, die Augen geschlossen, die Hände locker geöffnet, und atmet aus KI-generiert

Geradezu poetisch singt die Eiskönigin: „… ich lass los!“ Loslassen – das klingt so simpel. In der Realität fühlt es sich oft eher an wie ein inneres Ringen: ein Kampf zwischen dem einen Teil in uns, der längst weiß, „ich sollte das jetzt mal gehen lassen“, und dem anderen Teil, der sich mit aller Kraft daran festklammert.

Warum halten wir fest?

Unser Nervensystem liebt das Bekannte. Auch wenn das Altbekannte unbequem ist – es ist vertraut. Unser System sucht vor allem eins: Sicherheit. Und das bedeutet nicht unbedingt Glück oder Freude, sondern: „Ich weiß, wie das hier funktioniert.“ Auch wenn der Gedanke schmerzt, auch wenn die Beziehung nicht guttut, auch wenn die Überforderung lähmt – wir kennen sie. Und was bekannt ist, bedeutet für unser Nervensystem automatisch: nicht lebensbedrohlich.

Stell Dir vor, Du stehst barfuß im Schlamm. Es ist matschig, rutschig, unangenehm – aber Du hast es irgendwie geschafft, einen festen Stand zu erreichen. Neben Dir liegt ein schöner Holzsteg, trocken und stabil. Um dorthin zu kommen, müsstest Du einen Schritt machen. Und genau dieser eine Moment, in dem Du die Füße vom rutschigen Boden hebst – das ist der Moment, den wir fürchten. Weil wir nicht wissen, was in diesem Moment passiert.

Woran halten wir eigentlich fest?

Wir hängen nicht nur an Menschen oder Situationen, sondern auch an Gefühlen, Geschichten, Selbstbildern. Manchmal halten wir an einer Schuld fest, weil wir glauben, sie mache uns zu einem besseren Menschen. Oder wir halten an Wut fest, weil sie uns eine gewisse Kraft gibt. Auch Enttäuschungen können wir wie Ehrenabzeichen mit uns herumtragen – ganz nach dem Motto: „Wenn ich das loslasse, war alles umsonst.“

Hast Du Dich schon einmal gefragt, ob es etwas gibt, woran Du festhältst? Weil Du glaubst, sonst etwas zu verlieren – Identität, Kontrolle, Gerechtigkeit?

Ein persönliches Beispiel

Ich habe als junger Mann einmal ziemlichen Bockmist in einer Beziehung gebaut. Ich konnte mir mein Verhalten nie wirklich erklären – und vermutlich habe ich mir deshalb seitdem selbst nicht erlaubt, noch einmal glücklich in einer Beziehung zu sein. Fast wie eine Art Selbstbestrafung. Erst viele Jahre später habe ich erkannt, dass ich dadurch nur verhindert habe, wieder glücklich zu werden. Geholfen hat das weder mir noch der Frau, die ich damals verletzt hatte. Die sinnvollere Variante wäre gewesen: erkennen, was ich falsch gemacht habe – und herausfinden, wie man es in Zukunft richtig macht.

Loslassen ist kein Schalter

Gerade bei Gefühlen wie Schuld, Wut, Trauer oder Liebe ist Loslassen kein rein mentaler Prozess. Alle inneren Anteile – auch der Körper – müssen bereit dazu sein. Doch unsere Welt lässt oft wenig Raum dafür. Die Leistungsanforderungen und die Ungeduld unserer Zeit erwarten, dass wir schnell wieder funktionieren. Getrieben von diesem Erwartungsdruck verdrängen wir unsere Bedürfnisse und machen einfach weiter.

Dabei ist genau dieser Zwischenraum so wichtig – eine Art Karsamstag-Phase: ein Moment, in dem das Alte bereits gegangen ist, aber das Neue noch nicht da. Ein Moment der Neuorientierung. Ein Moment, in dem wir uns neu kennenlernen und ausrichten dürfen.

Was Loslassen nicht ist

  • Verdrängen. Loslassen bedeutet nicht, etwas zu vergessen oder zu ignorieren.
  • Aufgeben. Es braucht Mut, loszulassen – nicht Kontrolle.
  • Gleichgültigkeit. Loslassen heißt nicht, dass es Dir egal ist.

Es heißt, dass Du die Geschichte – Deine Geschichte – anders weiterschreibst. Mit offenem Herzen statt mit geballter Faust.

Wie Du Loslassen üben kannst

  • Atmung. Bewusstes Ausatmen unterstützt den Körper beim Loslassen. Ein- und Ausatmen bilden den Prozess von Annehmen und Loslassen sehr deutlich ab: Mit der Einatmung machst Du Dich bereit, das Neue zu empfangen; mit der Ausatmung unterstreichst Du sanft die Bereitschaft, das Alte gehen zu lassen.
  • Benennen. Ein einfacher Satz wie „Ich merke, dass ich gerade noch festhalte an …“ kann viel bewegen.
  • Präzision. Statt „Ich halte an alten Dingen fest“ lieber: „Ich halte an der Vorstellung fest, dass ich immer alles allein schaffen muss.“ Und: „Ich möchte erkennen, dass ich auch Hilfe annehmen darf.“
  • Ressourcen. Spaziergänge, Musik, Gespräche mit inspirierenden Menschen.
  • Schreiben. Ein Brief – auch wenn Du ihn nie abschickst – kann helfen, Klarheit zu gewinnen.

Nimm Dir Zeit

Du musst nicht alles auf einmal loslassen. Vielleicht heute nur einen einzigen Gedanken, ein Gefühl, eine kleine Sorge. Und wenn Du merkst, dass Du trotzdem gut weiterfunktionierst – wenn es sich sogar gut anfühlt –, dann dürfen die anderen Dinge nach und nach folgen.

Unterstützung durch transpersonale Kinesiologie

In der transpersonalen Kinesiologie gehen wir zielorientiert vor: Du formulierst ein Ziel, das Deinen gewünschten neuen Zustand am besten beschreibt – ein Ziel, das Dir schon ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn Du nur daran denkst. Über den Muskeltest als Bio-Feedback suchen wir dann die Unterstützung, die Dich in die Kraft bringt, dieses Ziel zu erreichen: eine der Ressourcen oben, eine emotionale Stärkung, ein neuer Denkansatz. Ich bin überzeugt, dass die Antwort auf die Frage, was Du brauchst, nur aus Dir selbst kommen kann – und ich unterstütze Dich gern dabei, sie zu finden.

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René Nossek

Heilpraktiker in Bonn-Lessenich, seit 2021. Schwerpunkt: chronische Schmerzen im Bewegungsapparat, muskulär-faszial und ohne Ruck und Knack. Mehr über mich

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Ich telefoniere nicht gern zwischen Tür und Angel. Deshalb nehme ich mir für das erste Gespräch bewusst Zeit: in Ruhe, ohne Verpflichtung und bevor Du Dich für irgendetwas entscheiden musst.

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  • Eine ehrliche Einschätzung, auch wenn sie lautet: Damit kann ich Dir nicht helfen
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